Direkt zum Seiteninhalt

Landgraf Carl - Weserbergland | regional

Menü überspringen
Weserbergland
regional
Menü überspringen
Landgraf Carl von Hessen-Kassel
Bad Karlshafen
Landgraf Carl von Hessen-Kassel | Gemälde von Herman Hendrik de Quiter | Kopie von Georg Engelhard Schröder
gemeinfrei
Landgraf Carl von Hessen-Kassel - Förderer der Hugenotten und Gründer von Karlshafen
Landgraf Carl von Hessen-Kassel (1654–1730) zählt zu den bedeutendsten hessischen Fürsten der Barockzeit. Während seiner langen Regierungszeit von 1670 bis 1730 setzte er wichtige wirtschaftliche und politische Impulse und förderte den Ausbau seines Landes. Eine besondere Bedeutung kam dabei der Aufnahme französischer Glaubensflüchtlinge, der Hugenotten, zu.

Nachdem König Ludwig XIV. 1685 mit dem Edikt von Fontainebleau die Rechte der französischen Protestanten aufgehoben hatte, verließen ca. 200.000 ihre Heimat. Noch im selben Jahr reagierte Landgraf Carl mit der sogenannten Freiheits-Concession. Sie bot den reformierten Flüchtlingen in Hessen-Kassel Aufnahme und gewährte ihnen zahlreiche Privilegien. Der Landgraf verband dabei religiöse Solidarität mit wirtschaftlichen Interessen. Die gut ausgebildeten Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibenden sollten zugleich zur Entwicklung seines durch den Dreißigjährigen Krieg noch immer geschwächten Landes beitragen.

In den folgenden Jahren entstanden in Hessen-Kassel zahlreiche französisch-reformierte Gemeinden und neue Siedlungen. Die Hugenotten brachten handwerkliches Können, neue Gewerbezweige und vielfältige kulturelle Einflüsse mit. Besonders sichtbar wird Carls Hugenottenpolitik in der Kasseler Oberneustadt, die für französische Glaubensflüchtlinge angelegt wurde. Mit der Karlskirche entstand dort ein bis heute bedeutendes Zeugnis hugenottischer Geschichte. Eine zeitgenössisch besonders interessante Gruppe an Hugenottenorten im heutigen Landkreis Kassel bilden die sechs zwischen 1686 und 1700 neu entstandenen Dörfer Carlsdorf, Kelze, Leckringhausen, Mariendorf, Schöneberg und St. Ottilien.

Eng verbunden ist der Name des Landgrafen auch mit der heutigen Stadt Bad Karlshafen. 1699 ließ Carl an der Mündung der Diemel in die Weser eine neue Stadt anlegen. Sie trug zunächst den Namen Sieburg und wurde insbesondere von hugenottischen und waldensischen Glaubensflüchtlingen besiedelt. Die planmäßig angelegte barocke Stadt sollte zugleich einem ehrgeizigen wirtschaftspolitischen Vorhaben dienen: Carl plante eine Wasserverbindung zwischen Weser und Rhein, um die hannoverschen Zollstationen bei Hannoversch Münden umgehen zu können. Das Kanalprojekt wurde zwar nie vollendet, doch der Hafen und das charakteristische Stadtbild zeugen noch heute von diesen Plänen.

1717 erhielt die Stadt zu Ehren ihres Gründers den Namen Carlshafen. Bis heute erinnert Bad Karlshafen in besonderer Weise an die Verbindung zwischen Landgraf Carl und den französischen Glaubensflüchtlingen. Das Deutsche Hugenotten-Museum dokumentiert diese Geschichte und zeigt, welchen nachhaltigen Einfluss die Hugenotten auf Hessen und Deutschland ausübten.
Landgraf Carl starb 1730. Seine gezielte Aufnahme der Glaubensflüchtlinge gehört zu den prägenden Entscheidungen seiner sechzigjährigen Regierungszeit. Sie verband religiöse Toleranz, wirtschaftliche Förderung und eine vorausschauende Siedlungspolitik – und hinterließ insbesondere in Bad Karlshafen ein bis heute sichtbares Erbe.

(Text: Dr. Andreas Flick, Deutsches Hugenotten-Museum)
Wir danken Dr. Andreas Flick vom Deutschen Hugenotten-Museum für den Text.
Über uns
Auf dieser Seite finden Sie Angebote aus dem Weserbergland. Präsentiert vom Eisvogel - Magazin & Kalender im Weserbergland.
Created with WebSite X5
Zurück zum Seiteninhalt